Der Autor


1900

29. Juni: Geburt von Antoine Jean-Baptiste Marie Roger de Saint-Exupéry (als drittes Kind von insgesamt fünf Kindern) von Jean de Saint-Exupéry, Versicherungsinspektor, und Marie de Fonscolombe. Der Name de Saint-Exupéry findet sich im Saal der Kreuzzüge im Schloss Versailles.

1904

Tod von Jean de Saint-Exupéry.

1904 bis 1917

Schüler im Jesuitenkolleg Notre-Dame de Sainte-Croix in Le Mans und im Kolleg Saint-Jean de Fribourg in der Schweiz. In den Sommerferien des Jahres 1912 erhält Antoine de Saint-Exupéry auf dem kleinen Flugplatz von Ambérieu-en-Bugey, in der Nähe von Saint-Maurice, in einem Eindecker seine Flugtaufe.

1917

– Juni: Saint-Exupéry als Abiturient .
– Juli: Tod seines jüngeren Bruders François
– Saint-Exupéry bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung für die Marineschule mit Schwerpunktfach Mathematik zunächst im Lycée Saint-Louis in Paris, dann im Lycée Lakanal in Sceaux vor.

1919

Saint-Exupéry wird an der Marineschule zur mündlichen Prüfung zugelassen, die er nicht besteht.

1920

Student an der Kunsthochule Paris (im Fach Architektur).

1921 bis 1923

– 1921: Wehrdienst im 2. Fliegerregiment in Straßburg. Saint-Exupéry erwirbt zunächst seinen zivilen Flugschein, dann seinen Militärflugschein.
– 1922 wird er zum Leutnant befördert und tritt ins 34. Flugregiment in Le Bourget ein
– Januar 1923: Flugzeugabsturz in Le Bourget (Schädelbruch). Saint-Exupéry beendet seine Militärlaufbahn.

1923 bis 1925

Nach drei Monaten Auflösung der Verlobung mit Louise de Vilmorin. Saint-Exupéry ist Herstellungsprüfer bei den Tuileries de Boiron, dann Vertreter für LKS bei beim Automobilhersteller Saurer.

1926

– Seine Nouvelle „Der Flieger“ wird in der Revue „Le Navire d’argent“ veröffentlicht.
– Oktober: Eintritt in die Compagnie Latécoère, die spätere Aéropostale, die eine Flugverbindung zwischen Toulouse und Dakar ins Leben gerufen hat; ab 1928 wird die Verbindung bis nach Buenos Aires, dann Santiago de Chile und Tierra del Fuego (Feuerland) ausgeweitet.

1927

Oktober: Ernennung zum Flugeinsatzleiter im südmarokkanischen Cap Juby; Saint-Exupéry verfasst „Südkurier“.

1929

– Nach seiner Ernennung zum Direktor der Aeroposta Argentina lässt sich Saint-Exupéry in Buenos Aires nieder.
– Gallimard veröffentlicht seinen Roman „Südkurier“

1930

Juni: Flugzeugabsturz von  Guillaumet. Saint-Exupéry unternimmt mehrere Versuche, ihn zu finden. Guillaumet gelingt es, sich zu retten, indem er in einem gigantischen Fußmarsch die Anden durchquert .

1931

– April: Eheschließung mit der Argentinierin salvadorianischer Herkunft Consuelo Suncin (1902–1979).
– Mai bis Dezember: Saint-Exupéry fliegt als Nachtpilot auf der Linie Casablanca-Port Etienne.
– Veröffentlichung bei Gallimard seines Romans „Nachtflug“, für den er mit dem französischen Literaturpreis „Femina“ ausgezeichnet wird.

1932 bis 1933

Saint-Exupéry ist in Casablanca stationiert. Nach Auflösung der Aérospatiale verdingt er sich als Testpilot, um seine finanziellen Schwierigkeiten, die ihn sein ganze Leben lang begleiten sollen, zu überwinden. Absturz in der Bucht von Saint-Raphaël.

1934 bis 1935

Saint-Exupéry lässt sich wieder in Paris nieder, reist nach Nordafrika und Indochina. Die Zeitung „Paris-Soir“ schickt ihn zu einer Reportage nach Moskau. Er nimmt am Langstreckenflug Paris-Saigon teil, erneuter Absturz : Sein Flugzeug stürzt in der Wüste, 200 km von Kairo ab.

1936

– Die Zeitung „L’Intransigeant“ schickt ihn nach Spanien zu einer Reportage über den spanischen Bürgerkrieg.
– Saint-Exupéry schreibt das Drehbuch zu seinem Roman „Südkurier“, der unter der Regie von Pierre Bion gedreht wird.

1937

– Auf Initiative von Air France, erschließt er die Linie Casablanca-Tombuctu. – Er schreibt das Drehbuch zu „Anne-Marie“.
– Er schreibt das Drehbuch zu „Anne-Marie“.
– Oktober bis November: Saint-Exupéry meldet drei Patente an (bis 1944 reicht er für ein Dutzend seiner Erfindungen Patente ein).

1938

– Januar: USA-Reise.
– Februar: Saint-Exupéry verlässt New York in Richtung Feuerland, erneuter Flugzeugabsturz in Guatemala (siebenfacher Schädelbruch).

1939

– Februar: Veröffentlichung seines Romans „Wind, Sand und Sterne“ , für den er mit dem Großen Romanpreis der Académie française ausgezeichnet wird.
– September: er wird nach Toulouse als Ausbilder eingezogen; Saint-Exupéry wird in die Luftaufklärungsgruppe 2/33 in Orconte aufgenommen, für die er bis ins Jahr 1940 gefährliche Einsätze, insbesondere in der Region von Arras, fliegt. Diese inspirieren ihn zu einem weiteren Roman „Flug nach Arras“.

1940

– Die Luftaufklärungsgruppe 2/33 wird nach Alger verlegt.
– Saint-Exupéry wird demobilisiert und setzt sich schließlich, im Dezember, in die USA ab.

1942

– Gleichzeitiges Erscheinen des Romans „Flug nach Arras“ in Frankreich (wo das Buch vom Vichy-Regime verboten wird) und der englischen Übersetzung in den USA.
– Sommer/Herbst: Saint-Exupéry verfasst und illustriert sein Buch „Der kleine Prinz“, das er seinem Freund Léon Werth widmet.

1943

–April: Die Verlage Reynal und Hitchcock veröffentlichen das Märchen „Der kleine Prinz“ auf Französisch und in der englischen Übersetzung.
– Mai : Saint-Exupéry begibt sich nach Algerien, um wieder für die in den Freien Französischen Streitkräften integrierte Luftaufklärungsgruppe 2/33 weitere Einsätze zu fliegen. Aufgrund seines Alters bestehen Bedenken, ihn als Piloten einzustellen.

1944

– Die Staffel wird auf Korsika stationiert und Saint-Exupéry zum Kommandanten ernannt. Es werden ihm fünf Einsätze gestattet, er fliegt jedoch acht.
– 31. Juli: Sein neunter Einsatz ist ein Aufklärungsflug zur Vorbereitung der Landung der Alliierten in der Provence. Sein Flugzeug wird von einem deutschen Piloten abgeschossen und versinkt im Meer.

1948

Posthume Veröffentlichung des philosophischen Werks „Die Stadt in der Wüste“.

1998

Vor der Küste von Marseille findet der Fischer Jean-Claude Bianco im Beifang ein Armband mit dem Namen Saint-Exupérys.

2000 bis 2003

Ein Wrack des Flugzeugtyps Lightning wird in der Nähe der Île de Riou gefunden. Die Seriennummer auf der Kabine ermöglicht es, das Flugzeug als dasjenige zu identifizieren, das Saint-Exupéry bei seinem letzten Einsatz flog.

François

Sein zwei Jahre jüngerer Bruder ist Antoine de Saint-Exupérys Spielgefährte. François stirbt im Alter von 15 Jahren an Gelenkrheuma. Er hatte Antoine zu seinem „Testamentsvollstrecker“ ernannt. Antoine, den der Tod seines Bruders mit tiefer Trauer erfüllt, sagt 20 Jahre später: „Wäre er Turmbauer, würde er mich seinen Turm bauen lassen. Wäre er Vater, würde er mir mich bitten, seine Kinder zu unterrichten. Wäre er Kriegspilot, würde er mir seine Bordpapiere anvertrauen. Er ist jedoch nur ein Kind. Alles was er mir anvertraut, ist eine Dampfmaschine, ein Fahrrad und ein Karabiner.“

Louise de Vilmorin

Die am 4. April 1902 geborene Louis de Vilmorin ist die jüngste Tochter von insgesamt sechs Geschwistern einer reichen Kornhändlerfamilie. In ihrer Kindheit mangelt es ihr an nichts, bis auf die Zuneigung ihrer Mutter. Trotz einer leichten Gehbehinderung infolge einer Knochentuberkulose wird sie heftig umworben. Antoine de Saint-Exupéry gelingt es, ihr Herz zu erobern. Das Paar verlobt sich im Juni 1923. Die Verlobung wird jedoch bereits nach drei Monaten wieder aufgelöst. Die Figur der Geneviève in Saint-Exupérys Roman „Südkurier“ trägt Züge von Louise de Vilmorin. Diese Liebeserfahrung schlägt sich wahrscheinlich in den ersten Erzählungen Saint-Exupérys nieder.

1925 ehelicht Louise de Vilmorin Henry den schwerreichen Amerikaner Leigh Hunt. Die Ehe wird 1937 geschieden, und Louise heiratet den Grafen Paul Pállfy.

Louise de Vilmorin ist mondän und lebt am Puls der Zeit. Sie schreibt mehrere Erfolgsromane und gilt als eine der bedeutenden gesellschaftlichen Persönlichkeiten der Pariser Vor- und Nachkriegszeit. Am Ende ihres Lebens ist sie die Lebensgefährtin von André Malraux.

Louise de Vilmorin stirbt 1969. Sie hinterlässt ein oberflächliches und frivoles literarisches Werk sowie eine umfassende Korrespondenz.

The Aviator „Der Flieger“

„Der Flieger“ ist der erste Text, den Antoine de Saint-Exupéry veröffentlichen kann. Er hatte im Salon seiner Cousine Yvonne de Lestrange, den Redaktionssekretär der Revue „Le Navire d’argent“ getroffen, der sich nach der Lektüre der Novelle bereit erklärt, sechs Auszüge in der Aprilausgabe der Reveue des Jahres 1926 zu drucken. Das Manuskript ist verloren gegangen, und es ist kaum möglich, sich ein Gesamtbild der Novelle zu machen, die wahrscheinlich den Ausgangspunkt für Saint-Exupérys Roman „Südkurier“ bildete. Die Hauptfigur der Novelle, ist wie im Roman, ein gewisser Jacques Bernis. Diesem gelingt es, zwei Mal zu „fliehen“ (der ursprüngliche Titel des Textes lautete „Die Flucht von Jacques Bernis“). Das erste Mal entflieht er einem nichtssagenden Milieu voller Zwänge, indem er Pilot wird, das zweite Mal durch seinen Tod, der wie ein Unfall aussieht. Der Tod bestraft ihn für die zu gewagten Spiele in der Luft, für den „Missbrauch“ der durch die erste „Flucht“ gewonnene Freiheit.

Die Aéropostale

In den 1920er Jahren ist der Himmel ein unerforschtes und gefährliches Terrain. Flieger sind echte Abenteurer, die ihr Leben in stotternden, anfälligen Maschinen mit behelfsmäßigen Bordgeräten auf’s Spiel setzen. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs plant der Flugzeugbauer Pierre-Georges Latécoère eine Fluglinie, um Post von Toulouse, wo sich seine Werke befinden, nach Casablanca zu befördern. Diese Verbindung wird später bis Dakar und schließlich Südamerika erweitert. Er gründet die Gesellschaft Lignes aériennes Latécoère, deren erste „Helden“ Saint-Exupéry, Mermoz und Guillaumet sind. Latécoère tritt die südamerikanischen Fluglinien an Marcel Bouilloux-Lafont ab, der die Compagnie générale aéropostale gründet, die später unter dem Namen Aéropostale“ bekannt wird. Didier Daurat ernennt Saint-Exupéry in Cap Juby (Tarfaya, Marokko) zunächst zum Flugeinsatzleiter, dann, als die Fluglinien der Aéropostale über die Anden und Santiogo de Chile bis Feuerland ausgedehnt werden, zum Direktor der Aeroposta Argentina.

1931 ist ein schwarzes Jahr: Der Börsenkrach in New York im Jahre 1929 und die Indifferenz der französischen Behörden lassen die Aéropostale Konkurs anmelden. Auf Initiative des französischen Staats schließen sich 1933 die privaten französischen Fluggesellschaften zur „Air France“ zusammen, die die Aéropostale schließlich aufkauft. Saint-Exupéry wird zunächst nicht eingestellt und testet in dieser Zeit für Latécoère Wasserflugzeuge. Erst im Jahre 1934 wird er von Air France in deren Marketingabteilung aufgenommen. In dieser Funktion schreibt er für die Revue der Compagnie Air France mehrere, oftmals nicht unterzeichnete Artikel.

Southern Mail „Südkurier“

„Südkurier“ schließt sich an die erste von Saint-Exupéry in der Revue „Le Navire d’argent“ im Jahr 1926 veröffentlichte Novelle „Der Flieger“ an. Als Pilot der Fluggesellschaft Latécoère befördert die Hauptfigur der Erzählung, Jacques Bernis, Post nach Südamerika. Die Flugstrecke führt über Wüstengebiete; durch eine Notlandung in diesen Regionen würde er sein Leben auf’s Spiel setzen. Einsamkeit und Gefahr lassen ihn nach dem Sinn seines Lebens suchen. Hierbei entdeckt er, dass das Glück des ganz gewöhnlichen Lebens mit der Frau die er liebt, Geneviève, die jedoch verheiratet ist, in Konflikt steht mit den Zwängen seines Berufs und den Opfern, die jemand wie er, der auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist, bringen muss. Jacques Bernis hat nicht umsonst einen Beruf gewählt, der ihn „reisen“ lässt; reisen bedeutet für ihn, in die Haut eines anderen zu schlüpfen; derjenige, der eine weitere Reise, eine Reise antreten möchte, durch die er über sich selbst hinauswächst, muss einen anderen, zuverlässigeren Weg beschreiten. Geneviève kehrt zu ihrem Mann zurück und Jacques setzt seine Suche fort – vielleicht wie Saint-Exupéry selbst, der seine Verlobung mit Louise de Vilmorin auflösen musste, da ihre Familie seinen Beruf für zur riskant hielt.

Zitat:

„Um zu existieren, braucht man um sich herum bleibende Realitäten.“

Henri Guillaumet

Der intime Freund von Antoine Saint-Exupéry, Henri Guillaumet, ist einer der besten und kühnsten Piloten seiner Generation. Dieser im Jahr 1902 geborene Pionier der Luftfahrt und der Aéropostale hat Flugstrecken über die Anden und über den Nord- und Südatlantik geöffnet. Ihm hat Saint-Exupéry seinen Roman „Wind, Sand und Sterne“ gewidmet.

L Am 13. Juni 1930 stürzt Guillaumet über den Anden, in der Region Laguna Diamante ab. Der Pilot überlebt den Absturz und begibt sich auf einen Fußmarsch, der fünf Tage und vier Nächte dauern soll. Man würde seiner Frau seine Lebensversicherung nicht auszahlen, wenn sein Körper nicht gefunden würde. Schließlich erreicht er ein Dorf, in dem Saint-Exupéry ihn abholt. Guillaumet sagt ihm: Das was ich getan habe, das schwöre ich dir, hätte kein Tier getan.“

Am 27. November 1940 wird Guillaumets Maschine von einem italienischen Jagdflieger über dem Mittelmeer abgeschossen.

Consuelo Suncin

Consuelo Suncin Sandoval de Gomez wird in der salvadorianischen Stadt Armenia als Tochter eines hochrangigen Militärs und Kaffeeplantagenbesitzers geboren, der im Übrigen zu den reichsten Männern des Landes zählte. Mit 22 Jahren trennt sich Consuelo, die in San Franzisko Kunst studiert, von ihrem ersten Mann. Sie reist zu José Vasconcelos nach Paris, wo sie den fast 30 Jahre älteren guatemaltekischen Schriftsteller Enrique Gomez Carrillo heiratet. Als 26-jährige Witwe kehrt Consuelo nach Südamerika zurück und macht sich mit ihren Bildern und Skulpturen als Künstlerin einen Namen.

Im Jahr 1930 begegnet sie in den Salons der Alliance française in Buenos Aires Antoine de Saint-Exupéry. Ein Jahr später, am 22. April 1931, wird in Agay die Ehe geschlossen. Consuelos Hochzeitskleid aus schwarzer Spitze schockiert, und die Familie ihres Mannes begegnet der jungen Frau mit großer Zurückhaltung.

Die Beziehung zwischen den beiden Eheleuten ist turbulent und leidenschaftlich, oft verwirrend. Sie weisen einander zurück, um sich stärker anzuziehen, sie entfernen sich voneinander, um sich über Briefe, in denen sie ihre gegenseitige Zuneigung zum Ausdruck bringen, besser einander anzunähern. Sind sie zusammen, so weckt Saint-Exupéry sie oft auf, um ihr seine neu entstandenen Texte vorzulesen. In seinen Briefen nennt er Consuelo „meine Rose“, was uns natürlich an die eitle, kapriziöse, verwöhnte, einzigartige, faszinierende, wunderbare, unerträgliche, unersetzliche Rose des kleinen Prinzen erinnert. Consuelo malt weiterhin und unterhält freundschaftliche Beziehungen zu surrealistischen Malern, die ihren eigenen Stil beeinflussen.

P Während des Zweiten Weltkriegs schließt sie sich mit Saint-Exupérys Zustimmung, der sich im Exil in New York befindet, im südfranzösischen Luberon einer Gruppe von Kunststudenten an. Der Kopf der Gruppe, Bernard Zehrfuss, organisiert ein Widerstandsnetz. Consuelo reist zu ihrem Mann nach New York, wo sie, auf seine Bitte hin, das Haus auf Long Island ausfindig macht, in dem Saint-Exupéry den „kleinen Prinzen“ schreiben wird.

Nach dem Tod ihres Mannes kehrt Consuelo nach Frankreich zurück, wo sie in Paris und Grasse ihr Leben zum einen ihrem künstlerischen Schaffen als Malerin und Bildhauerin und zum anderen dem Gedenken ihres Ehemannes widmet. Consuelo de Saint-Exupéry verstirbt 1979 in Grasse und wird auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise beigesetzt.

Ihr Tagebuch wurde 2000 beim französischen Verlag Plon unter dem Titel „Mémoires de la rose“ veröffentlicht (Titel der deutschen Übersetzung: „Die Rose des kleinen Prinzen“, München 2001).

Night Flight „Nachtflug“

In einer Zeit, wo Piloten auf Sicht fliegen und sich am Relief orientieren, die Gefahr von Gewittern anhand der Form und Farbe der Wolken bestimmen und bei einer Panne auf Plätzen landen, die sie aus der Luft für geeignet halten, führt die Aéropostale Nachtflüge ein, um die Zustellungszeit der ihr anvertrauten Post zu verkürzen. Jeder Fehler ist tödlich, jede Schwäche kann zu einer Katastrophe führen. Es geht nicht allein darum, die Bordgeräte und –instrumente zu verbessern, sondern auch die Männer abzuhärten. Mut ist ein Weg, um über sich hinauszuwachsen, Disziplin ein Kampf gegen die Unordnung dieser Welt. Rivière, der Flugeinsatzleiter, ist seinen Männern gegenüber unnachgiebig, weil ihm ihr Leben wichtig ist; Fabien, der Pilot, stellt sich dem Tod, nicht um die ihm anvertrauten Briefe schnellstmöglich zuzustellen, sondern weil er in der Ausübung seiner Pflicht den Sinn des Lebens sieht. Der Tod wird zum Sieg, selbst wenn der Preis die Tränen und Leiden des gewöhnlichen Lebens sind.

Zitat: 

Der Mensch war für ihn ungeformtes Wachs, das man kneten musste. Man musste diesem Stoff eine Seele geben, einen Willen schaffen. Er wollte sie nicht knechten durch diese Härte, sondern sie über sich hinauszwingen.“

Bruchlandung in der Wüste

Am 30. Dezember 1935 um 2.45 Uhr stürzt Saint-Exupérys und Prévots Maschine in der libyschen Wüste ab. Sie haben kein Trinkwasser und sehr wenig Proviant. Sie beschließen, sich der Wüste zu stellen und machen sich zu Fuß auf den Weg. Der Morgentau ist die einzige Flüssigkeit, die sie zu sich nehmen. Völlig erschöpft werden die beiden Männer von einer Beduinenkarawane gefunden. So erreichen sie, letztendlich unversehrt Kairo, wo Consuelo ihren Mann trifft. Die beiden totgeglaubten Piloten machen Schlagzeilen. Saint-Exupéry berichtet dieses Abenteuer in sechs Artikeln, die in der Zeitung L’Intransigeant“ abgedruckt werden.

„Südkurier“, der Film

Antonine Saint-Exupéry bearbeitet selbst seinen Roman für den Film, der unter der Regie von Pierre Billon, mit Pierre-Richard Willm, Charles Vanel, Jany Holt und Gabrielle Dorziat in den Hauptrollen, gedreht werden soll. Die Dreharbeiten beginnen im Oktober 1936 in Mogador (Marokko). Aufgrund der vertrauensvollen Beziehungen, die Saint-Exupéry mit den Nomadenstämmen vor Ort unterhält, können diese als Statisten für den Film gewonnen werden. Bei den Luftaufnahmen fliegt er selbst und springt sogar als Stuntman in den Szenen ein, in denen der Pilot des Films sich diese nicht zutraut.

Absturz in Guatemala

Am 14. Februar 1938 starten Saint-Exupéry und Prévot von New York an Bord ihrer Simoun, um den Rekord New York-Punta Arenas (Feuerland) zu brechen. Die erste Etappe verläuft reibungslos. Beim Start in Guatemala City wird aufgrund unterschiedlicher Messeinheiten (das amerikanische Galon entspricht nicht dem guatemaltekischen Galon) zu viel Treibstoff getankt, sodass die Maschine am Ende der Startbahn abstürzt. „Als man mich aus dem Flugzeug zog, war ich ein Wrack“, kommentiert Saint-Exupéry, der danach mehrere Tage im Koma liegt, den Unfall später. Es wird ein siebenfacher Schädelbruch festgestellt, und Saint-Exupéry läuft Gefahr, einen Arm zu verlieren. Er erholt sich nur langsam von diesem folgenschweren Unfall und wird 1941 erneut ins Krankenhaus eingewiesen.

„Wind, Sand und Sterne“

Der Erlebnisbericht über die Glanzleistungen der Aéropostale-Piloten und über einige glückliche oder unglückliche Episoden seines Fliegerlebens veranlassen Saint-Exupéry zu einer Meditation über die menschliche Bedingungen und den Sinn des Lebens. Der in einer „Hülle“ (die gewisse Menschen undurchdringlicher werden lassen) eingeschlossene Geist, wird träge, wenn der Mensch sich nicht bemüht, ihn wach zu halten. Der ununterbrochene und couragierte Kampf zur Beherrschung der sich uns entgegensetzenden Materie, ein Kampf, den wir mit bloßen Händen oder mit Werkzeugen wie dem Pflug oder dem Flugzeug führen, ermöglicht es uns, unsere Bestimmung in der Welt zu entdecken. Es ist die Verantwortung, die wir übernehmen, die uns zu Menschen macht, die uns zur Selbstlosigkeit und Bereitschaft, Opfer zu bringen, befähigt. Die Belohnung ist menschliche Größe. Im Europa des Jahres 1939 scheint es Saint-Exupéry jedoch eine Pflicht zu sein anzumerken, dass er denjenigen, die „für den Wissensfortschritt und die Heilung Kranker“ sterben, mehr Respekt zollt als, denjenigen, die ihr Leben im Krieg lassen. „Wind, Sand und Sterne“ erhält den Großen Preis der Académie française und in den USA den National Book Award.

Zitate: „Nur der Geist, wenn er den Lehm behaucht, kann den Menschen erschaffen“.

„Mensch sein, heißt Verantwortung fühlen […]; seinen Stein beitragen im Bewusstsein, mitzuwirken am Bau der Welt.“

Flight to Arras „Flug nach Arras“

Verwirrung und Irrtum. Saint-Exupéry hat in Amerika Zuflucht gefunden, die Kapitulierung Frankreichs erscheint eine Folge seines moralischen Verfalls. Ferner ist Frankreich für Strategen, die die Stärke eines Landes an der Zahl seiner Schlünde messen, kein Wall gegen den Nazismus. Im Bericht über die zwischen dem 23. Mai und 6. Juni 1940 von der Luftaufklärungsgruppe 2/33 durchgeführten Einsätze, an denen auch Saint-Exupéry beteiligt war, huldigt er nicht die denjenigen, die ihr Leben für den Sieg einer Schlacht geopfert haben, die Frankreich im Übrigen verlor, sondern preist vielmehr die Stärke einer Zivilisation, die in der Lage ist, den Menschen Werte zu geben, die sie über das eigene Leben stellen. Saint-Exupéry glaubt an den Sieg, weil er an die Tugenden einer geistigen Tradition glaubt, die es jedem einzelnen ermöglicht sich weiterzuentwickeln, über sich hinauszuwachsen, sich zu opfern, um „mitzuwirken am Bau der Welt“.

„Flug nach Arras“ ist das erschütternde Zeugnis des Debakels im Juni 1940, Manifest eines Frankreichs, das seine Niederlage nicht akzeptiert, und eine Reflexion über die Grundlagen der christlichen Zivilisation. Das Buch erscheint gleichzeitig in den USA unter dem Titel „Flight to Arras“ und in Frankreich unter dem Titel „Pilote de guerre“, wo das Buch schließlich von der deutschen Besatzungsmacht, die zuvor die Veröffentlichung genehmigt hatte, verboten wird. Man wirft Saint-Exupéry unter anderem die Seiten vor, auf denen er den außergewöhnlichen Mut und den Patriotismus von Oberst Jean Israël – eines Juden – hervorhebt. Es sind mehrere heimlich gedruckten Fassungen von „Flug nach Arras“ in Frankreich im Umlauf, die von den Mitgliedern der Résistance verbreitet werden. In den USA, wo das Buch lange Zeit auf der Bestsellerliste steht, trägt Saint-Exupérys Erzählung dazu bei, das Frankreichbild der öffentlichen Meinung und Politiker zu korrigieren.

Zitate:

„Es gilt, den Menschen wiederherzustellen. Er ist das Wesentliche meiner Kultur“. Er ist der Schlüssel zu meiner Gemeinschaft. Er ist der Grundsatz meines Sieges.“

„Jeder ist verantwortlich für alle. Frankreich ist verantwortlich für die Welt.“

Léon Werth

Léon Werth wird am 17. Februar 1878 in den Vogesen als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers geboren. Der hervorragende Schüler gewinnt den Preis für Philosophie beim Concours général, einem landesweiten Wettbewerb für Gymnasiasten in Frankreich. Er verdient seinen Lebensunterhalt als Berichterstatter und Kunstkritiker und führt ein bohemisches iesernabhängige und nonkonformistische Geist ist Gegner der Kirchenpartei und ein ironischer Kritiker des bürgerlichen Lebensstils. Sein 1923 erschienener Roman „La Maison blanche“ („Das weiße Zimmer) steht in engerer Wahl für den französischen Literaturpreis Prix Goncourt. 1914 wird Léon Werth eingezogen und verbringt 15 Monate in den Schützengräben. Nach einer Verletzung verlässt er die Front und ist seitdem ein überzeugter Pazifist. Seine 1919 erscheinende kriegskritische Erzählung „Clavel Soldat“ erregt großes Aufsehen. In den 1920er und 1930er Jahren verurteilt Léon Werth mit Vehemenz den französischen Kolonialismus und – im Gegensatz zur öffentlichen Meinung – den stalinistischen Totalitarismus und den Aufstieg des Nationalsozialismus. Aus der Begegnung mit Antoine Saint-Exupéry im Jahre 1931 entsteht eine dauerhafte und tiefe Freundschaft zwischen den beiden Männern, die durch die Widmung im „Kleinen Prinzen“ belegt wird.

Léon Werth zieht sich während der Besatzungszeit in den Jura zurück. 1946 veröffentlicht er sein Kriegstagebuch „Déposition“, ein schmerzliches Zeugnis über das Leben der Franzosen während der deutschen Besatzungszeit.

Léon Werth stirbt 1955 in Paris.

Vermisst gemeldet

Am 31. Juli 1944 soll Saint-Exupéry zur Vorbereitung der Alliierten-Landung einen Aufklärungsflug über der französischen Küste durchführen. Dies ist sein neunter Einsatz. Saint-Exupéry hatte bereits die Altersgrenze überschritten und eigentlich nur für fünf Einsätze eine Genehmigung erhalten. Er startet um 8.00 Uhr mit einer Tankfüllung für 6 Flugstunden. Um 13.00 Uhr zeigt sich kein Flugzeug am Horizont, um 14.00 Uhr gibt es keine Hoffnung mehr.

Die Umstände des Verschwindens von Saint-Exupéry bleiben bis zum März 2008 ungeklärt: Am 31. Juli 1944 erscheint auf den deutschen Radarschirmen ein feindliches Flugzeug. Horst Rippert, ein junger Pilot erhält Order, das feindliche Flugzeug zu jagen. Rippert eröffnet des Feuer und triff die Maschine Saint-Exupérys an den Flügeln. Er sieht, wie das Flugzeug ins Meer stürzt. Einige Tage später erfährt Rippert, dass er die Maschine von Saint-Exupéry abgeschossen hat. Er ist bestürzt: Er kennt den Schriftsteller, dessen Bücher er liebt und den Ruf des kühnen Piloten, den er bewundert. 64 Jahre lang behält Horst Rippert, der später im Journalis arbeitet, sein Geheimnis für sich. Journalisten entdecken per Zufall Dokumente über seinen Einsatz am 31. Juli 1944. Sie befragen Rippert, und dieser bricht sein Schweigen: In einem Fernsehinterview sagt er: „Hätte ich gewusst, wer im Flugzeug saß, hätte ich nicht geschossen. Nicht auf diesen Mann.“

The Wisdom of the Sands „Die Stadt in der Wüste“

Das bereits 1936 angelegte Werk wurde posthum, zusammen mit den letzten Erzählungen Antoine de Saint-Exupérys – „Wind, Sand und Sterne“, „Flug nach Arras“ und „Der kleine Prinz“ – veröffentlicht. Es handelt sich um eine Sammlung von Reflexionen über die menschliche Bedingung und ein Reservoir, aus dem Saint-Exupéry beim Schreiben schöpft. Es ist nicht einfach, sich die endgültige Form eines Textes vorzustellen, von dem wir wissen, dass der Autor die Absicht hatte, ihn zu korrigieren – was in diesem speziellen Fall bedeutet hätte, ihn neu zu schreiben.

Nichtsdestoweniger zeichnet sich in den 219 Kapiteln, deren Reihenfolge vielleicht nicht diejenige ist, die der Autor letztendlich gewünscht hätte, eine kohärente Vision des Lebens ab. Zwischen dem animalischen Raum (inkohärent und vergänglich), dem wir durch unser Fleisch angehören, und dem Raum Gottes, zu dem uns unser Geist führt, ist das Leben der Menschen ein ständiges Bemühen darum, Rohmaterial zu ordnen, den Lehm zu bezwingen, einen Sinn finden, der die Dinge „bindet“ und ihnen einen Hauch Ewigkeit verleiht, so wie Ziegel, die sich zu einer Kathedrale zusammenfügen. Unsere Größe misst sich an unserer Fähigkeit, einen Sinn zu schaffen – der gleichsam dem Spiel der Kinder entsteht – und somit das Sterbliche durch die Suche nach einem Gott zu überwinden, der die Grundlage dafür bildet, dass wir alles, was existiert in eine einzige, für uns unfassbare Bedeutung zusammenfassen.

Zitate:
„Zitadelle, ich werde dich im Herzen des Menschen erbauen.“
„Der Mensch, sagte mein Vater, „ist zu zunächst einmal derjenige, der schöpft. Schöpfen heißt das Wesen zu schaffen und jede Schöpfung ist unsagbar.
„Ich weiß, dass allein der Geist die Menschen regiert und dass er dies in einer absoluten Art und Weise tut.“
“Sicher ist er ein Lebensinstinkt. Aber er ist nur ein Aspekt eines noch stärkeren Instinkts. Der wesentliche Instinkt ist der Instinkt der Beständigkeit.“
„Ich kann mich nicht wiedererkennen, wenn nicht DU der Schlussstein und das gemeinsame Maß und die Bedeutung der einen und der anderen bist.“